2016

Kontrollierter Sinkflug

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„Le nom du chien de chasse: Shadow“

2016

Egoisten

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DSC01480

„Let's wait and see what comes“

2015

Fundamentalisten

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What I like in this show is the feeling of driving very fast on a motorway and then turning off the lights of the car for about ten seconds and then turning them on again.

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J’aime que ce travail ait des limites saisonale. On peut pas le montrer quand il n’y a pas de neige dehors ou une patinoire ouverte.

Ich bin jedesmal überrascht, wie die Dunkelheit alles Sichtbare zu schlucken vermag. Wie ihr das gelingt, dass ich dann zurückschrumpfe auf mich und meine Vorstellungswelt, abgeschnitten von der Aussenwelt.

conceived and devised: Schauplatz International/ with: Anna-Lisa Ellend, Albert Liebl and three cello children as Lars Studer/ composition and music: Martin Lorenz/ simultaneous icelandic translation: Helga Brekkan/ costume and decor: Diana Ammann/ technical direction & lighting: Stephan Müller/ soundtechnician: Demian Jakob/ assistance production: Isabelle Jakob/ assistance stage, decor, construction and sound: Janosch Perler/ help song: Kaspar von Grüningen/ graphics: Katharina Reidy/ video documentation: Trinipix GmbH/ coproducers: Schauplatz International, Schlachthaus Theater Bern, Theater Roxy Birsfelden, Südpol Luzern/ with financial support from: Stadt Bern, Kanton Bern, Pro Helvetia, Migros Kulturprozent, Kanton Zug, Fachausschuss Tanz und Theater BS/BLErnst-Göhner-Stiftung, Burgergemeinde Bern

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Fundamentalisten Rider german

 

„Wir sind ratlos aber nicht ohne Hoffnung“

2014

Idealisten

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„Es war Februar. Einem humanistischen Ideal folgend, machten wir eine Reise nach Italien. Auf der Höhe von Genua war Schnee auf der Autobahn.“

„Sabbioneta, das Theater. Eine Reiseführerin, die selbst einmal gespielt hat: Die Bühne ging ganz runter, das Dach wölbte sich wie der Himmel. Uneinigkeit, wo der Fürst Vespasiano Gonzaga, wo die Herren, wo die Damen sassen. Sehr gute Akustik, verblüffende Perspektive. Als wäre jemand in meinem Kopf. Dann nach Parma ins Teatro Farnese gefahren. Überwältigt gewesen. Alles Holz, das neue braun, das alte bemalt. Vielleicht zehn Aufführungen in hundert Jahren. Stadiongefühl im Palast des Herrschers. Draussen sind Männer und haben nichts zu tun.“

„Don Ennio, enttäuschter Pastor der Idealstadt, versuchte dreissig Jahre lang jeden Sonntag seiner Gemeinde die Schönheit der Kunst des Cinquecento nahezubringen, statt die Bibel vorzulesen. Komplett gescheitert. Dafür hat er sein eigenes Museum mit irrwitzigen Devotionalien und der originalen Goldenen Vlies – Kette seines geliebten Übervaters, des Fürsten und Stadtgründers Vespasiano Gonzaga aufgebaut. Das ist von seinem Idealismus geblieben. Keiner geht hin.
Oh, war er streng mit uns, ein Lurch, der aus seiner jahrhundertealten Katakombe kurz und missmutig ins Licht blinzelt.“

„Was war das für ein Moment für die Menschen der Renaissance, als die Perspektive entdeckt wurde? Kann man denn sagen, sie war vorher nicht da? Durften Menschen damals denn alles nur flach sehen und konnten und durften nicht in die Ferne schauen? Offenbar muss es jemanden gegeben haben, der plötzlich fähig war, das was er sah, einfach darzustellen. Gegen alle Gewohnheiten hat er sich das plötzlich erlaubt, das was weit weg klein erscheint, auch klein zu zeichnen. Und von da an ging es los in die Ferne.“

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„Ich versuchte Sabbioneta joggend zu umkreisen. Versuchte den Mauern zu folgen. Es war Februar, feucht, neblig, musste zeitweise ausholen, an einem verlassenen Kapuzinerkloster vorbei, lief dann auf einem Damm, Sabbioneta verschwand im Nebel der Poebene, musste dann auf der Hauptstrasse zurück. Fühlte sich an wie eine Metapher für das Stück. War schön.

Mein Idealismus besteht u.a. darin überall zu joggen, egal wo wir sind.

Folgende Sätze begleiten mich schon die ganze Zeit beim Arbeiten: Wir haben uns überschrien. Wir haben die Kirche mit dem Bordell verwechselt.“

Idee, Konzept und Realisation: Schauplatz International / Mit: Anna-Lisa Ellend, Lars Studer, Martin Bieri, Albert Liebl / Konzept, Raum, Kostüme: raumlaborberlin (Axel Timm, Nicole Timm) / Komposition, Schlagzeug: Martin Lorenz / Akkordeon: Silke Lange / Technik und Lichtdesign: Max Stelzl / Produktionsleitung: Ralf Grunwald, Eva-Maria Bertschy / Recherche und Vermittlung Italien: Anna Gubiani / Öffentlichkeitsarbeit: DON Kommunikation

Koproduktion mit: HAU Hebbel am Ufer Berlin, Schlachthaus Theater Bern, Dampfzentrale Bern, Kaserne Basel, Ringlokschuppen Mülheim / Gefördert durch: Hauptstadtkulturfonds Berlin, Stadt Bern, Kanton Bern, Migros Kulturprozent, Pro Helvetia, Ernst-Göhner-Stiftung, Artephila Stiftung, Burgergemeinde Bern

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„Wir haben die Kirche mit dem Bordell verwechselt.“

2013

Die Nacht

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„Es ist eine verkehrte Welt. Die Nacht ist in der Agglomeration der Tag. Wenn es hell wird, ist es ruhig, wenn es dunkel wird, kommt das Leben zurück. Es ist immer noch ruhig, aber alle sind da. In den Stunden dazwischen, morgens und abends, bewegt sich alles, davor und danach ist Ruhe, einmal mit, einmal ohne Menschen.“

„Ich begegne dem Leben in der Provinz mit Pragmatismus: Billige Miete, Freizeitmöglichkeiten, Nähe zu Bäcker und Schule. Ich bin dort hängen geblieben und klebe jetzt leider richtig fest. Angesichts meiner noch bevorstehenden Lebenszeit überkommt mich ein Unbehagen, ob es richtig ist, hier zu bleiben. War es das jetzt? Oder müsste ich fort? In die Stadt?“

„Wegen den Vororten, den Schlafstädten haben wir einen Schlafforscher interviewt. In seinem engen Büro hing eine Kopie von der ‚Nacht‘, von Hodler. So sind wir zur ‚Nacht‘ gekommen. Einfach so.
Ich möchte gerne einmal in der Nacht des Vorortes, also am Tag, durch den Vorort, in ein Haus eindringen, riechen, Rasen mähen, mich ins Bett legen. Ich habe Angst und gleichzeitig eine grosse Sehnsucht nach dem Leben im Vorort. Bin selber ein Pendler und langsam zu alt, um zwei Leben zu führen.“

„Worb? Wo ist Worb? Wo Bolligen? Sind das etwa zwei von diesen vakuuminösen Schlafgemeinden, wo nichts mehr stimmt und doch alles eingehalten werden muss? Eine normierte Hölle? Der Normalfall der Schweiz? So wie ich solche Orte von meiner Kindheit kenne, jedenfalls Grund genug zu türmen.“

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Konzept und Realisation: Schauplatz International / Mit: Anna-Lisa Ellend, Martin Bieri, Albert Liebl, Lars Studer / Musik: Kaspar von Grünigen / Produktionsleitung: Eva-Maria Bertschy / Technik: Marianne Luginbühl

Koproduktion mit: Schlachthaus Theater Bern / Gefördert durch: Stadt Bern, Kanton Bern, Burgergemeinde Bern / Dank an: Kunstmuseum Bern

Video Bildanalyse „Die Nacht“ von Dr.Bätschmann

Video of the perormance

press

 

„The commuter is inside myself“

2012

Neues Landschaftstheater

Monografie

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„Es gab eine Zeit lang recht treffende Beschreibungen von uns. Von innen her gesehen ist es immer etwas ganz anderes. Von außen wird alles sehr intellektuell beschrieben, was du ja auch machst, so richtig genau beschreiben, was unsere Arbeit sein könnte. Von innen her mache ich mir nicht ständig solche Gedanken, in welchem Zusammenhang das steht und wie das theatergeschichtlich einzuordnen ist. Das hat sich hier genau deswegen auch entschärft, weil du, Martin, immer mitgearbeitet hast. Ich fand es sehr schön, wie du diese Voreingenommenheit beschrieben hast, wie du versucht hast, sie zu entkräften, und versuchst, deine Interessen transparent zu machen.“

„Ich bin im ersten Moment erschrocken. Wenn man denkt, jetzt gibt es Theaterwissenschaftler, die lesen das und vielleicht gibt es auch noch andere Menschen, die das lesen, und jetzt ist alles so festgeschrieben. Wir hatten das ja schon mal, dass zehn Jahre in Pressetexten der gleiche Satz aufgetaucht ist.“

 

 

„Ich fand das eher belastend, auf eine Art, dass man so eingeortet werden kann: Darüber mache ich mir höchstens im Nachhinein Gedanken – und auch nicht ganz ernst gemeint. Ich habe meine Skepsis der Kunst- und Kulturgeschichte gegenüber. Es ist, als sähe man, wie man selbst Geschichte ist. Das ist schon etwas seltsam, beim Lesen.“

„Ich hätte eigentlich gedacht, dass man unsere Arbeit theatergeschichtlich viel besser einordnen kann. Aber tatsächlich kann man sie schlecht einordnen, es bleibt offen. Ich sage, es gibt postdramatische Elemente, aber bei Weitem nicht nur. Am Schluss weigere ich mich ja sogar, uns einzuordnen.“

Martin Bieri

Neues Landschaftstheater
Landschaft und Kunst in den Produktionen von »Schauplatz International«

transcript-Verlag
2012, 430 S., kart., zahlr. z.T. farb. Abb., 39,80 €
ISBN 978-3-8376-2094-8
Reihe Theater

„Es ist, als sähe man, wie man selbst Geschichte ist.“

2012

Reise um die Erde in 80 Minuten

Stadtrundfahrt

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„Neben dem Läufer, der für die Kunst schwitzte und von Botschaft zu Botschaft rannte und Witze einsammelte, manövrierte der Buschauffeur seinen Reisecar um die Häuserecken und an falsch geparkten Autos vorbei. Im Bus spornten die beiden Reiseführer den Läufer zu Höchstleistungen an und wurden dabei viele zum Teil indiskrete Hintergrundinformationen los.“

„Reise in 80 Minuten um die Erde war schon nur deshalb sehr schön, weil ich so gerne mit Reisecars fahre. Ich hatte den Platz rechts vorne, gleich neben dem Chauffeur und sprach zu den Leuten. Das entspricht irgendeinem geheimen Ideal in mir: die Gegend draussen vorbei ziehen lassen und darüber räsonieren. Und wer will, kann zuhören und wer nicht will, hört weg und schaut. Dazu kam die Funktion des Lotsen, des Ortskundigen, eine zivilmilitärische Phantasie vielleicht.“

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„Gott spielen. Versteht Gott Witze? Kann er lachen? Ich wollte so aussehen wie Marlon Brando in ‚Der Pate‘, bekam einen überaus luxuriösen Smoking und eine riesige Zigarre, aber Eva meinte, ich sähe aus wie… Pavarotti!!! Was für ein Reinfall und was für ein schöner Witz! Ich entschied mich daraufhin, dazu eine blonde sexy Perücke zu tragen. Die Idee zu diesem Stück war so einfach und so brilliant! Ich bin stolz auf meine Kollegen.“

Konzept und Realisation: Schauplatz International / Mit: Lars Studer, Albert Liebl, Anna-Lisa Ellend, Martin Bieri und Gästen / Produktionsleitung: Eva-Maria Bertschy / Musik: Kaspar von Grünigen / Projektassistenz: Stefanie Mauron / Technik: Marianne Luginbühl

Koproduktion mit: Biennale Bern in Zusammenarbeit mit Dampfzentrale Bern und Konzert Theater Bern / Dank an: die MitarbeiterInnen der beteiligten Botschaften, das Protokoll des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten, das Veranstaltungsmanagement der Stadt Bern und Dysli Reisen Bern

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„Das entspricht einem geheimen Ideal in mir: die Gegend draussen vorbei ziehen lassen und darüber räsonieren.“

2012

Geistige Umnachtung

Performance

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„Der Beginn, es ist Dunkel. Die Veranstalterin sagte was von: Aus ästhetischen Gründen bleiben die Türen verschlossen, niemand verlässt den Saal. Der erste Satz: Wo ist das Problem? Dann habe ich mich auf der Bühne einmal aus und wieder angezogen und niemand hatte es gesehen. Ein weiterer Satz: Die Dunkelheit der Aufklärung. Am Ende aufgeregte Zuschauer Reaktionen im Dunkeln: Das ist so ein Insider-Ding. Alle hier kennen euch sicher? Antwort eines anderen Zuschauers: Nein.“

„Wenn das Licht ausgeht, gelten andere Gesetzmässigkeiten.“

Konzept und Realisation: Schauplatz International / Mit: Lars Studer, Anna-Lisa Ellend, Martin Bieri, Albert Liebl

Im Rahmen von: «Darstellungsformate im Wandel», Zürcher Hochschule der Künste, «Nicht(s) Tun. Von Unterbrechungen und Widerständigkeiten in der Kunst», Hochschule der Künste Bern

„Aus ästhetischen Gründen bleiben die Türen verschlossen, niemand verlässt den Saal.“

2012

Der Spielplatz

Mehrgenerationenstück

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„Der Spielplatz lebte von einer bestimmten Rhythmik, einer Taktung von laut und leise. Vielleicht habe ich, weil das Stück fast ausschliesslich im Dunkeln spielte, stärker darauf geachtet, jedenfalls gab es immer wieder diese Momente des Anschwellens und Abklingens von Geräuschen, meist Stimmen. Bis zur gänzlichen Stille. Erstaunlich, mit Dutzenden Kindern in einem Raum. Diese Momente waren mir die liebsten: Das Abklingen wenn die Kinder draussen waren und das Licht ausging, wenn sie wieder da waren und das Spiel begann, die beruhigenden Stimmen von Albert, Lars und Anna-Lisa, die Stille auf dem verlassenen Spielplatz beim Betrachten der wie von Geisterhand sich bewegenden Schaukel und die unendliche Ruhe, die den Hasen umgab.“

„Wie die Kinder am Anfang mit verbundenen Augen durch den Kartonschachtelgang kriechen und dann im dunklen Theatersaal ankommen. Die Musik suggeriert eine riesige Höhle, hallende Stimmen und es tropft irgendwo. Und alles ist so schön vorbereitet – im Sandkasten sind meine Objekte unsichtbar vergraben. Mir kommt dann oft Weihnachten in den Sinn. Momente später spielt und klingt es in allen Ecken der Höhle und hört erst ganz am Schluss wieder auf, wenn wir alle fasziniert auf den Hasen schauen, der da in der Nacht über den verlassenen Spielplatz hoppelt.“

„Alles dunkel. Eine Menge Details. Aufblitzende Gegenstände. Ein fliegendes gekochtes Schweineohr. Ein Musiker glimmt, in Leuchtgirlande verpackt. Die Schweizer Geldmünzen sind fast zu hart, um sie mit einer Kneifzange aufzubrechen. Aber irgendwie muss ich die Geschichte der Geldentwertung in der Wipper- und Kipperzeit erklären. Immerhin ist es möglich, die Kinder so nah zu haben, dass sie auf ihre Fragen auch Antworten bekommen. Eine singende Schaukel zu vier Stimmen und eine, sich menschenlos bewegende. Und klar das riesige Hasentier, ungesteuert bewegt es sich durch den vereinsamten Spielplatz. Theater.“

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Konzept und Realisation: Schauplatz International / Mit: Anna-Lisa Ellend, Lars Studer, Albert Liebl und Martin Bieri / Musik: Trummer / Produktionsleitung: Eva-Maria Bertschy / Ausstattung und Raum: Diana Ammann / Bewegte Objekte: Alexander Jaquemet / Technik: Felix Grimm, Matthias Keller, Max Stelzl / Assistenz: Isabelle Jakob / Foto: Franziska Frutiger, Alexander Jaquemet / Grafik: Jiri Chmelik / Kunstvermittlung: Katja Grawinkel

Koproduktion mit: Schlachthaus Theater Bern, Fabriktheater Rote Fabrik Zürich / Gefördert durch: Stadt Bern, Kanton Bern, Pro Helvetia, Migros Kulturprozent, Migros Aare, Burgergemeinde Bern, Ernst Göhner Stiftung / Gespielt in: Schlachthaus Theater Bern, Fabriktheater Rote Fabrik Zürich, Westwind Festival 2012 (Theater Paderborn), theaterszene europa (studiobühne Köln)

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„... und die unendliche Ruhe, die den Hasen umgab.“

2011

Die Kleist-Retraite

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„Ich freute mich sehr für alle unsere Darsteller, wenn sie am Ende des Abends mit dem Boot im Abendrot des Thunersees entschwinden durften, nachdem sie sich die Seele aus dem Leib geredet hatten. Wir haben später von der ursprünglichen Freiluft-Inszenierung auch ein Hörspiel gemacht. Dort singt zum Beispiel Marthe, die Mutter vom Käthchen, ‚heute hier morgen dort‘ mit einer ganz brüchigen Stimme und gleichzeitig kenne ich ihre persönliche, wirklich tragische Geschichte, die sich mit der Figur total verschränkt. An dieser Stelle bekomme ich einen Kloss im Hals.“

„Für die Kleist-Retraite durfte ich reisen. Das war ein Privileg! Die Muscheln im Pariser Restaurant, die Offiziersschüler des FSB in Kaliningrad, die offenherzig politisch mit mir sprachen, der jugendliche Orgelspieler in Chalons, wo Kleist inhaftiert war. Er spielte auch noch die Peer Gynt Suite für mich. Nicht wiederauffindbare Strassenführung in Dresden. Da stand ich im Hof eines Plattenbaus direkt am Müllhäuschen. Und das schrecklich traurige A4 Blatt, das am Kleistgrab am Wannsee hing, und das schon jahrelang verzweifelt an Henriette Vogel erinnern sollte.“

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„Ich weiss, Regelverstoss. Der zweite Moment, an den ich mich erinnere: als alle aus dem Parkhaus kamen. Wie Kleistfiguren und Musiker in weissen Anzügen gefolgt von den Zuschauern und dann meist bei strömendem Regen über die Hausptstrasse liefen, singend Gitarre schrammend in ein Solarboot stiegen und winkend in See stachen.“

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„Der Abend begann mit einer Meditation. Die Leute lagen im Gras im Park auf Yogamatten zwischen dem Chalet und dem Altersheim. Da lagen sie und ich liess sie über alle Kleiststücke meditieren. Der hat zum Glück nicht so viele geschrieben. Ja und es funktionierte. Vielleicht ein neues Betätigungsfeld für mich. Klassiker-Meditation. Gibt es vermutlich auch schon. Für mich wieder einmal der Beweis, dass manchmal diejenigen etwas am besten können, die nichts mit der Materie zu tun haben – ich meine jetzt: die Meditation.“

Konzept und Realisation: Schauplatz International / Mit: Martin Bieri, Anna-Lisa Ellend, Albert Liebl, Lars Studer, Annemarie Voss, Marcel Gurtner, Alfred Blum, Barbara Zbinden, Helga Hänggi, Natascha Kesting, Franziska Schönauer, Sarah Flükiger, Daniel Linder, Walter Ellend, Micha Küchler / Musik: Christoph Trummer / Bühne und Ausstattung: Diana Ammann / Technik und Lichtdesign: Max Stelzl / Assistenz: Isabelle Jakob / Produktionsleitung: Schauplatz International, Mathias Bremgartner

Gefördert durch: Stadt Thun / Im Rahmen von: Kleist in Thun 2011

Pressestimmen zur Kleist-Retraite

Die Kleist-Retraite Pressematerial

„Ich freute mich sehr für alle unsere Darsteller, wenn sie am Ende des Abends mit dem Boot im Abendrot des Thunersees entschwinden durften.“

2011

Wunschmaschine / Service Center

Spielzeiteröffnung Schlachthaus Theater

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„Kleist hat sich einmal darüber lustig gemacht, wie man sich über Illusion auf der Bühne freuen könne. Aber ich mag künstlichen Wind, Regen und Schnee. Als wir dann all die Wünsche der Leute vom Schlachthaushimmel haben fallen lassen, zu Flocken verkleinert, hatte Kleist Unrecht. Es gibt inhaltlichen Schnee.“

„Meine Aufgabe war es, eine Liste zu führen. Die Zuschauer sassen mit ihren Nummern in einem dunklen Keller, auf einem Tonband lief eine Sendung zum Thema ‚Wünschen‘. Ich musste dann jeweils mittels einer LED Laufschrift die Zuschauer nach einem ausgeklügeltem System in einen Raum des Theaters schicken, wo sie dem jeweiligen Künstler ihre Wünsche erzählen konnten. Diese Position der Macht verborgen vom Zuschauer, diese Unantastbarkeit hat mir – I’m sorry – sehr gefallen.“

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Konzept und Realisation: Schauplatz International / Mit: Martin Bieri, Anna-Lisa Ellend, Albert Liebl, Lars Studer, Phil Hayes, Rahel Bucher, Magdalena Nadolska, Franziska von Fischer, Oliver Meier, Beatrix Bühler, Michael Glatthard, Armin Kopp, Philippe Nauer, Francesca Tappa, Dorothée Müggler, Vivianne Mösli, Katja Brunner, Peter Zumstein, Valerian Maly, Grazia Pergoletti, Priska Praxmarer, Christoph Keller, Eva Maria Küpfer, Marianne Freidig, Martina Scherler, David Berger, Eva-Maria Bertschy, Manuel Bürgin, Daniel Mezger, Andreas Peter, Dennis Schwabenland, Benjamin Spinnler

Koproduktion mit: Schlachthaus Theater Bern

„Meine Aufgabe war es, eine Liste zu führen.“

2010

Ikeaville – What happened before you came

Eine Audioguidetour

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„Es gibt diesen einen Moment, wenn man sich hinsetzt in ein Musterzimmer, sich in den Sessel fallen lässt und kurz darauf vielleicht zu einem Buch im Regal greift; in diesem kurzen Moment des Innehaltens funktioniert die Illusion des anderen Lebens für Sekunden. Für eine Sekunde vielleicht, aber du fühlst, wie es wäre, hier zu wohnen und du fühlst, wie dich das zu einem anderen Menschen macht. Ikea weiss das. Ikea weiss, wie man tröstet.“

„Da sassen plötzlich so viele, die sonst nie zu IKEA gehen würden, auf einem IKEA Sofa, an einem IKEA Tisch, betrachteten ein IKEA Regal und lauschten über Kopfhörer die Tonspur.
Eine meiner Lieblingsstationen: im Restaurant reden die zwei Mitarbeiterinnen der schwedischen Botschaft über das ‚Folkhemmet‘. Sie selber sind ebenfalls sehr nett, sehr sozial, unproblematisch, fröhlich und tolerant.“

„Ich bin ganz sicher. Jemand hat in einem der Musterzimmer diese Nachrichten hinterlassen. An einer ausgestellten Pinnwand eines Kinderzimmers. Erstaunliches Eigenleben. Ich habe nicht herausgefunden, wer das war.“

„Ich interviewte eine junge Mutter, die in dem Dorf wohnte, dass dem hiesigen Ikea seinen Namen gegeben hat. Erklärte ihr gerade möglichst glaubhaft, dass Ikea gar kein Unternehmen sei, sondern ein getarntes politisches Projekt. Ich hätte gehört, dass der Kinderhütedienst von Ikea von den Bewohnern der umliegenden Agglomerationsgemeinden als informelle Kita benutzt wurde, weil der eigentliche Staat immer weniger Aufgaben wahrnimmt. Selbstverständlich nickte sie und sagte: Ja ja, das machen hier einige. Die Information wurde mir dann auch noch von Ikea bestätigt.“

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Konzept und Realisation: Schauplatz International / Mit: Martin Bieri, Anna-Lisa Ellend, Albert Liebl, Lars Studer / Grafik: Rikken Enterprises / Fotos: Alexander Jaquemet / Technische Unterstützung: Christian Rothenbühler

Kooperation mit: Tojo Theater Bern / Gefördert durch: KulturStadtBern, Swisslos/Amt für Kultur Kanton Bern, Burgergemeinde Bern / Dank an: Graber Konferenztechnik, Bätterkinden und Dysli Reisen Bern

„In diesem kurzen Moment des Innehaltens funktioniert die Illusion des anderen Lebens für Sekunden.“

2010

Sehnsucht nach Familie Krause

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„Es hatte etwas Akribisches und Manisches: Mit den winzigen Figürchen von der Firma Preiser Momente aus seinem eigenen Leben nachspielen und diese mit Hilfe der Kamera einfrieren, damit sie nie mehr vorbei gehen. Hochkonzentriert mit seinen eigenen riesigen Fingern im Modell des Theaters im Massstab 1:80 die klitzekleine Bank platzieren, das Figürchen und die Requisiten daneben stellen und den Hintergrund aufhängen und damit die eigene grosse Wunschwelt spielen.“

„Leute, die sich schworen, nie wieder ins Theater gehen zu wollen, haben genau dies nach ‚Sehnsucht nach Familie Krause‘ wieder vor. Wie schön. Und ja, die Eisenbahnfigürchen-Hersteller der Fa. Preiser! Sie wollten nicht, dass wir in Mauritius zur Besichtigung des Produktionsabschnitts ‚Bemalung‘ auftauchen. Aber sie versprachen, uns in ihr 1:80-Sortiment aufzunehmen, Fotos wurden gemacht, wir sollten dranbleiben. Vielleicht dachten sie, wir würden so erfolgreich wie Caveman? Oder sie haben schlicht alle Hände voll zu tun mit den anderen Miniaturen wie Obama, Osama und dem neuen Pabst, die ja auch alle in das Sortiment sollen.“

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„‚Regression als Offensive‘ – an diesem Satz hänge ich immer noch. Er beschreibt das Stück so gut. Und vielleicht einen Wunsch, den man sich nicht erlaubt. Denn das Gegenteil ist ja eigentlich wahr: Offensive ist Regression. Sollte ich wirklich einmal eine kleinskalierte Figur werden, ich liesse es geschehen. Aber ich frage mich, ob wir in der Produktionsschlaufe stecken geblieben sind. Wir stehen irgendwo auf einem Fliessband, kurz vor dem Auswurf einer Maschine, geformt aber ungeschliffen und unbemalt. Wir sind vergessen gegangen. Bei Preiser wussten nur die beiden Brüder von uns, vielleicht haben sie sich verkracht, vielleicht geht das Geschäft schlecht, wer weiss. Ich kann mir schönere Dinge vorstellen, als nackt in einer Maschine hängen geblieben zu sein.“

Konzept und Realisation: Schauplatz International / Mit: Martin Bieri, Anna-Lisa Ellend, Albert Liebl, Lars Studer, Sascha Bleuler, Juliane Werner und Gast / Technik: Max Stelzl, Felix Grimm / Produktion: Katja Grawinkel

Koproduktion mit: Schlachthaus Bern, Ringlokschuppen Mülheim und Kaserne Basel / Gefördert durch: HauptstadtKulturFonds, KulturStadtBern, Amt für Kultur des Kantons Bern/SWISSLOS, Migros Kulturprozent / Gespielt in: Schlachthaus Bern, Ringlokschuppen Mülheim, Kaserne Basel, Theaterdiscounter Berlin, Internationales Figurentheaterfestival Erlangen

Familie Krause Pressestimmen

„Ich kann mir schönere Dinge vorstellen, als nackt in einer Maschine hängen geblieben zu sein.“

2010

Landscapes of Glory – Beautiful moments but schnell vorbei

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„Dahinter lag ein organisatorischer Kraftakt, aber für die Zuschauer im Zug war alles sehr schnell vorbei. Ich als Darstellerin wartete jeweils an einem Unort zwischen Sommerflieder und anderen Primärpflanzen neben dem Bahngleis unter einem Sonnenschirm auf den vorbeirauschenden Zug und spielte Hackbrett. ‚Glück auf‘ von Grönemeyer. Es war eine Idylle.“

„Wie freute ich mich, die Rakete parallel zum endlich vorbeifahrenden Zug fliegen zu lassen, ich sehnte mich danach, dass die beiden – Zug und Rakete – gleich schnell wären und aus dem Fenster die Rakete wie gestoppt und verloren in der Zeit sichtbar würde. Oder den grossen Grill mit Festzelt und allem Drum und Dran über Kilometer allein über die Brache zu schleppen und nach Durchfahrt des Zuges mich an den 500g Angus-Steaks gütlich zu tun. Nie wieder soviel Fleisch gegessen! Trotz grösster körperlicher und logistischer Anstrengung war das Erscheinen des Zuges wie die Begrüssung guter Freunde, die ich lange nicht gesehen habe.“

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„Abends vor jeder Show die Besprechung. Uhrenvergleich. Ist der Zeitplan klar, wer muss wo wann sein? Wie wird das Wetter? Dann um 5 Uhr morgens aufstehen. Den Zeitplan für den Aufbau genau befolgen. Dieser ganze Aufwand für jeweils ein paar Minuten Show und der Kommandoaspekt war sehr befriedigend.
Ausserdem lebten wir in eine gefühlten 200m2 Wohnung mit den Kindern, alle zusammen. Und obwohl Mülheim an der Ruhr in Deutschland nicht gerade als Tourismusdestination gehandelt wird, fragen unsere Kinder immer wieder: Wann gehen wir wiedermal nach Mülheim?“

Konzept und Realisation: Schauplatz International / Mit: Albert Liebl, Lars Studer, Martin Bieri, Anna-Lisa Ellend / Produktionsleitung: Katja Grawinkel

Gezeigt in: MELEZ.2010 Festival / Im Rahmen von: Kulturhauptstadt Europa RUHR 2010

„Ich wartete an einem Unort zwischen Sommerflieder und anderen Primärpflanzen neben dem Bahngleis unter einem Sonnenschirm auf den vorbei rauschenden Zug.“

2009

M*a*s*c*o*t*s II – Sie kommen nicht zur Ruhe

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„Spartakus war für mich als Knabe einer jener Filme, von denen man glaubt, sie seien für einen gemacht, obwohl man damals noch gar nicht auf der Welt war. ‚Woher wussten die das alles über mich‘, fragte ich mich mit schlechtem Gewissen. Weil ich schon wusste, dass es falsch war, den Zweifel zu unterdrückten, ob es richtig war, bei Freunden drei Stunden nachmittags fernzusehen, wenn das zuhause verboten war? Oder weil ich noch nicht wusste, wogegen sich mein Aufstand richten sollte?“

„Die Riesenmaskottchen wollen die Revolution und werden von uns dafür trainiert. Sie haben genug vom Winken am Bühnenrand und wollen das echte Leben. Sie sind mit grossem Eifer dabei, zu lernen wie man sich aus dem Korsett des ewig gleichen Darstellens befreit.
Dazu müssen sie zum Beispiel mit ihren Riesenpranken lernen, wie man eine SIM Karte auswechselt. Oder echte Gefühle zeigen. All dies gipfelte im in einer aufgeblasenen Hüpfburg, Zuschauer und Maskottchen sich umarmend und hüfend. Dahinter die Schlussszene des Filmes Spartakus. Er sterbend am Kreuz. Sie, die nun freie Sklavin, mit dem Neugeborenen im Arm.“

„Wie die ausrangierten Maskottchen mit einer Maskottchenbauerin skypen, ihrer Mutter sozusagen, und diese dann diese Pelzkreaturen taxierte. Ihren Wert schätzte, ihnen sagte, ob sie gelungen seien oder nicht. Und die Maskottchen alles stumm ertragen. Ich konnte sehr gut mitfühlen. Wie das endet: im Hintergrund wird ein Maskottchen gekreuzigt und vorne ein Hüpfkissen, die Zuschauer und die Maskottchen hüpfen fröhlich um die Wette.“

Konzept und Realisation: Schauplatz International und Mascots Liberation Army / Mit: Martin Bieri, Anna-Lisa Ellend, Martin Kaufmann, Sarah Keusch, Albert Liebl, Andrea Mörgeli, Lisa Ramstein, Lars Studer

Produktion: Mathias Bremgartner, Katja Grawinkel / Technik und Lichtdesign: Max Stelzl / Fotos: Alexander Jaquemet / Grafik: Rikken Enterprises / Dokumentation: Corina Schwingruber

Koproduktion mit: Schlachthaus Theater Bern, Kaserne Basel / Gefördert durch: Pro Helvetia, Migros Kulturprozent, Kanton Bern, Stadt Bern, Kanton Zug, Stadt Zug, Ernst Göhner Stiftung, Burgergemeinde Bern, Fondation Nestlé pour l’Art / Gespielt in: Schlachthaus Theater Bern, Kaserne Basel, Fabriktheater Rote Fabrik Zürich

„Er sterbend am Kreuz. Sie, die nun freie Sklavin, mit dem Neugeborenen im Arm.“

2009

Im Schatten des Feuers

Performance

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„Back to the roots. Von unserem ehemaligen Dozenten zum lokalen internationalen Performance Festival eingeladen. Ich hatte einen weissen Anzug an. Sie das silberne Glitzerkleid. Daneben eine weisse Wand davor drapiert eine Motorsäge und auf der Bühne die halb soviel Stühle wie Zuschauer und dann ging es los.“

„Es war ganz einfach: Ein mitunter aggressiver Moderator und seine lächelnde Assistentin bringen das Publiukum dazu, sich auf die Bühne zu setzen. Und dazu sind alle Mittel recht. Dann im Dunkeln das Lied und der Satz: ‚protect me from what i want‘.“

Konzept und Realisation: Schauplatz International / Mit: Albert Liebl, Anna-Lisa Ellend, Lisa Rammstein und Martin Bieri

Im Rahmen von: Bone 09, im Schlachthaus Theater Bern

„Ich hatte einen weissen Anzug an. Sie das silberne Glitzerkleid.“

2009

Metzler Lexikon Theatertheorie

Performance

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„Welche Begriffe mussten wir erklären? Einen davon erklärten Albert und ich mit einem Spielzeugflugzeug, das zum Zeitpunkt x in einen aus Holklötzchen gebauten Turm fliegt. Und beim anderen sass ein Clown da. Mit einem grossen geschminkten Mund. Und mehr weiss ich auch nicht mehr.“

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„Ich glaube, es gibt Kanarienvögel, die dieses Geräusch auch machen: Iiiuuuuiitt. Langgezogener Pfiff, nicht sehr laut, die Tonhöhe mit einer Delle in der Mitte und einer Spitze am Schluss. Der Clown pfiff immer so, wenn etwas fertig war. Ich hab das noch im Ohr. Kanarienvögel nicken dazwischen immer wild mit dem Kopf, glaube ich.“

Konzept und Realisation: Schauplatz International / Mit: Anna-Lisa Ellend, Martin Bieri, Albert Liebl, Lars Studer und Susanna Hug / Gespielt in: „ZAP“ Performance Office, Progr Bern

Koproduktion mit: Kaserne Basel, plug.in und LISTE 09 – The Young Art Fair / Gefördert durch: GGG, Pro Helvetia, Fondation Nestlé pour l’Art

„Kanarienvögel nicken dazwischen immer wild mit dem Kopf, glaube ich.“

2009

OLA – Optionale Live Audiokommentare

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„Wir schauten uns zusammen mit verschiedenen Experten im Foyer des Stadttheaters Bern die Liveübertragung einer Theaterinszenierung an und behaupteten, wir sähen die Realität. Die Experten analysierten die Situation und die Zuschauer im Theater drin hörten per Simultanübersetzung zu. Entsprechend konkret wurde es bei den häuslichen Gewaltszenen in ‚Endstation Sehnsucht‘, als die Psychologin ihren Stundentarif bekannt gab.“

„Irgendwann hätte es mich nicht mehr erstaunt, wenn sie aufgehört hätten zu spielen. Wenn sie ihren Text nicht mehr hätten sagen, die Inszenierung nicht mehr hätten zu Ende bringen wollen. Wenn sie einfach zugehört hätten. Wenn die Neugier den Ärger und die Gleichgültigkeit überwogen hätte. Aber dann wäre ja alles nicht mehr aufgegangen. Sie mussten spielen, damit etwas war in der Welt, über das man sprechen konnte.“

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Konzept und Realisation: Schauplatz International / Mit: Lars Studer, Anna-Lisa Ellend, Martin Bieri, Albert Liebl und verschiedenen Experten

Koproduktion mit: Stadttheater Bern

„Entsprechend konkret wurde es bei den häuslichen Gewaltszenen in Endstation Sehnsucht, als die Psychologin ihren Stundentarif bekannt gab.“

2008

Schengen – Border observation point

One day installation

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„Obwohl das Nationalstadion in Warschau bereits eine Ruine war, strahlte es eine Würde aus, die ich sofort akzeptierte. Es war ein furchtbarer Ort: brennend heiss wie ein lange loderndes Feuer, beladen von unerträglicher Geschichte und dazu noch Symbol einer sich entfaltenden, zukünftigen Historie, zu der ich nicht gehören wollte. Aber abends, als es kühler wurde, wir müde waren und alles gesagt hatten, was wir sagen mussten, war dieses Stadion einer der schönsten Orte, die ich je gesehen habe.“

„Im alten Stadion von Warschau. Eine Achtstundenperformance. Viele Leute reden über Grenzen. Einige von ihnen sind ganz einfach umwerfend: der Ornithologe sieht aus wie ein zerfetzter Grauer Kranich, der kriegsversehrte Flüchtling marschiert an Krücken ins Stadion, der Sicherheitsmann des Stadions erschreckt mich mit seinem furchterregenden Gesicht. Ich strenge mich an, so viele Luftballons wie möglich mit Helium zu füllen, an meinem Hosenbund festzumachen, um dann endlich abzuheben, über alle Grenzen hinweg. Es waren an die Hundert. Aber ich war damals zu schwer. Ein Traum.“

„Vermutlich die Performance mit den meisten Zuschauern, die wir je hatten. Lag an unserem Mitspieler: Dem mittlerweile abgerissenen Nationalstadion in Warschau. Es war ein letztes Mal öffentlich zugänglich. Da nahmen die Leute wohl auch unsere Kunst in Kauf… Es war heiss, wir grillten, zogen Fahnen auf, zogen Linien, montierten Schranken, wollten mit Luftballonen abheben und führten in der Sonne Gespräche, über acht Stunden immer benebelter durch die Hitze und die Sonne. Weit weg sahen wir die Ferngläser der Zuschauer aufblitzen, die uns von oben betrachteten und uns zuhörten. Und dann kommt da dieser Ornithologe und erzählt über die Migration der Vögel, dabei liegt er im Gras total entspannt. Als wäre es ein lauschiges Plätzchen in seinem Garten.“

Konzept und Realisation: Schauplatz International / Mit: Albert Liebl, Lars Studer, Martin Bieri, Anna-Lisa Ellend und Gästen

Im Rahmen von: Stadium X, Warsaw / Koproduktion mit: Laura Palmer Foundation, Warsaw

„Es war ein furchtbarer Ort: brennend heiss wie ein lange loderndes Feuer, beladen von unerträglicher Geschichte.“

2008

M*A*S*C*O*T*S

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„Also ich weiss nicht: Ich bin doch ausgebildet, so was nicht zu tun, aber bei diesen Riesentierchen werde ich kindisch, da kann ich machen, was ich will…“

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„Das riesige Mascottchen Max mit seinem rotweissen Plüschkopf hört ein Haydn Klavierkonzert und spielt danach eine Szene aus Ingmar Bergmanns Film ‹Herbstsonate›.Und das ist eine rechte Leistung für so ein Maskottchen, das sonst nur gewohnt ist, am Spielfeldrand zu stehen und zu winken. Vollbracht haben dies der Mann im Arztkittel und der Mann mit der braunen Perücke, die sich vorgenommen haben, die Maskottchen (sprich Künstler) aus ihrem elenden Dasein zu befreien und zu tatsächlich Handelnden umzuerziehen.“

„Wir hatten während der Recherche eine Frau getroffen, die ungenannt bleiben wollte. Sie war Maskottchen für die UEFA bei der EM in der Schweiz und Österreich. Sie gab uns Papiere mit den genauen Verhaltensregeln und den äusserst detailliert beschriebenen Bewegungen die erlaubt und denen die nicht opportun waren. Dann erzählte sie uns weinend wie sie von besoffenen Fussballfans sexuell belästigt worden war. Die Fans hatten offenbar trotz der Flix und Trix Maskerade ihr wahres Geschlecht, Trix und Flix sind nämlich geschlechtslos, erahnt und griffen dort hin, wo sie meinten ihre Brüste, ihren Hintern und ihren Schritt zu finden. Und sie durfte nicht aus der Rolle fallen. Vertraglich.

Als wir dann Trix und Flix zurückbrachten nach Nyon, Sitz der Uefa, durften wir die beiden begleiten, als sie in den Keller getragen wurden. Hinter einer Tür verschwanden, im Dunkeln, in der Bedeutungslosigkeit. Da wurde mir klar, wie treffend die Setzung war, die Gleichsetzung des Maskottchens mit dem Künstler.“

„Im Vorfeld gab es ein paar Missverständnisse. Die UEFA hatte herausgefunden, dass wir von der Nestlé Kulturstiftung gefördert werden, sie selber – bzw. Die EM – aber von Carlsberg oder Heineken (weiss ich nicht mehr genau). Wir verbrachten viel Zeit damit ihnen zu erklären, dass die Nestlé Kulturstiftung nichts mit Nestlé zu tun hat. So hatte es uns die Kulturstiftung erklärt. Wir hatten und haben da so unsere Zweifel und die UEFA hatte sie auch. The war of mascots.“

Konzept und Realisation: Schauplatz International / Dramaturgie: Martin Bieri / Mit: Anna-Lisa Ellen, Albert Liebl, Lars Studer, Trix und Flix*, Goleo**, Lilli**, Carnelli*, Pieps und Nikki, Züspa Leu* Globi* Obi Biber* Zottel* Cooly* Smoony Euromaus*, Paula Ente*, Herthinho*, SWR Elch*, Bully und Bully Bambini* (*angefragt, **verschollen) / Produktionsleitung: Katja Grawinkel / Licht: Max Stelzl / Grafik: www.rikken.ch / Foto: FFF Fotografie Franziska Frutiger / Technik: George Steinmann

Koproduktion mit: Schlachthaus Theater Bern und Kaserne Basel / Gespielt in: Schlachthaustheater Bern, Fabriktheater Rote Fabrik Zürich, Kaserne Basel, Festival Impulse NRW / Gefördert durch: Stadt Bern, swisslos/ Kultur Kanton Bern, Stadt Biel/ Ville de Bienne, Migros Kulturprozent, Fondation Nestlé pour l’Art

Pressestimmen zu M*A*S*C*O*T*S

„Ich bin doch ausgebildet, so was nicht zu tun, aber bei diesen Riesentierchen werde ich kindisch, da kann ich machen, was ich will...“

2007

Hop-on, Hop-off Identity Tour

Rund um die Sendlinger Moschee

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„Ich sass am linken Bühnenrand, hatte den Computer auf dem Schoss und versuchte, in einem islamischen Online-Forum einer Diskussion zu folgen, in der besprochen wurde, ob es trotz des Bildverbotes zulässig sei, Mohammed im Theater darzustellen. Oder ging es nur darum, ob man so tun dürfe, als bete man? Das war wichtig, weil Albert und Lars von ihrem Besuch in der Moschee erzählten und ihn auch nachspielen wollten. Die Moschee, um die es eigentlich ging, konnte aus finanziellen Gründen nicht gebaut werden. Das erfuhr ich zwei Jahre später aus der Zeitung und nahm es seltsam ungerührt zur Kenntnis.“

„Wir hatten viel zu viel Material gesammelt. Ich sass die ganze Zeit mit dem Rücken zum Publikum, das hat mir jemand übel genommen, aber es war der richtige Ort. Ich höre noch das ansteckende Lachen aus dem Publikum.“

„Wir hatten uns am Freitag mit dem Iman verabredet. Also gingen wir hin. Immer mehr Menschen waren da, es war Freitag. Ich weiss auch nicht mehr wie das passierte: Plötzlich waren wir auch in der Moschee, mit den Gläubigen zum Freitagsgebet. Mittendrin. Und wir haben einfach mitgemacht. Abgeschaut. Interessanterweise waren wir nicht die einzigen, die es so gemacht haben. Wir hatten ein schlechtes Gewissen und fragten den Iman nach dem Gebet, ob wir jetzt etwas Verbotenes getan hätten. Er lachte schallend.“

„Wir machten dann mit dem Material der Recherche ein Hörspiel. Der Bayrische Rundfunk gab uns das alte Studio, mit den Fake-Treppen, Fake-Türen, Fake-Wasserhahnen, etc. Und die benutzten wir dann alle. Die Redaktorin drehte fast durch, der alte Tontechniker war gerührt. So geht es uns öfters.“

„So muss Hörspiel sein. Oder? Was für ein Spass die falschen Türen zu schlagen. Albert über nirgends hinführende Treppen laufen zu hören.“

„Dieser riesige Turm mit der wunderschönen dunklen Holz innen. Lange stille Gänge. Teppiche, Topfpflanzen in den Ecken. Ein Studio wie eine Kirche. Das richtete mich auf, ich kann mich gut erinnern. Mit dem Kopf war ich im gegenwärtigen München, mit den Füssen irgendwo in einem zu Ende gehenden Zeitalter, zu Ende gegangenen wohl. Ich ging ganz gerade, sehr schön.“

Konzept und Realisation: Schauplatz International / Mit: Anna-Lisa Ellend, Martin Bieri, Albert Liebl, Lars Studer und SchauspielerInnen der Münchner Kammerspiele

Koproduktion mit: Münchner Kammerspiele / Hörspiel produziert von: Redaktion Hörspiel und Medienkunst des Bayerischen Rundfunks

„Oder ging es nur darum, ob man so tun dürfe, als bete man?“

2007

Expedition an den Rand der Welt

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„Für mich war der erregendste Gedanke, dass ich an einem ganz anderen Ort für die Zuschauer im Theater performte. Eine Art Peepshow, oder natürlich: eine 4. Wand durch Distanz. Für einen Abend hatte ich mich entschieden einen meiner Lieblingsorte zu besuchen: eine Autobahnschlaufe. Diese lieblichen Grünflächen, gepflegt, angerichtet, lieblich, aber – das sollte ich feststellen – unerreichbar!
Den ganzen Abend versuchte ich auf die Schlaufe zu gelangen, hatte mir schon ausgemalt, wie ich dort im Gras liege und SMS schreibe. Aber nein. Ich schrieb den ganzen Abend über mein Scheitern. Ich fand es schlimmer, fern vom Publikum zu scheitern als in seinem Angesicht.“

„An einem anderen Abend ging die Vorstellung einfach weiter auch als sie zu Ende war. Ein paar Zuschauer hielten sich nicht an das Ende hatten meine Nummer und schrieben und schrieben…“

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„Also. Keine Kontrolle über den Einfluss auf die Zuschauer, keinen Einfluss auf die anderen Akteure. Keine Rückkopplung. Vier Einsame, aber gemeinsam. Das macht mich frei und extrem konzentriert auf die Umgebungen dieser wunderbaren Übergangsorte. Vor der Webcam am Zürichsee stehe ich im Dialog mit einem virtuellen nicht greifbaren Publikum, gleichzeitig im Netz und im Theater. Katja stellt eine frappante Live-Kritik aufs Netz.“

„Gegen Ende des Stücks in seiner Zürcher Fassung, musste ich mit der Kamera vom Tisch, an dem ich all die SMS empfangen hatte, zu einem Zelt laufen. Wir taten so, als sei das live, wie sonst alles in dem Stück – war es aber nicht. Hätte ich die Kamera gegen die Leinwand gehalten, hätte es diesen Unendlichkeitseffekt gegeben, den infiniten Regress der zwei sich spiegelnden Spiegel, was dem entspricht, was sich in meiner Erinnerung zur „Expedition an den Rand der Welt“ abgelagert hat. Einmal verlor die Kamera, in der das Band lief und das vorgab, live zu sein, das Kabel. Da war alles schwarz. So war es auch. Still und schwarz.“

Konzept und Realisation: Schauplatz International / Mit: Anna-Lisa Ellend, Martin Bieri, Albert Liebl, Lars Studer und Gästen / Assistenz: Katja Grawinkel

Koproduktion mit: Schauspiel Essen, Fabriktheater Rote Fabrik Zürich / Gefördert durch: Migros-Kulturprozent, Kanton Bern, Stadt Biel, Kanton Zug, Stadt Zug / Gespielt in: Schauspiel Essen, Schlachthaus Theater Bern, Fabriktheater Rote Fabrik Zürich, Théâtre de Poche Biel, Festival DWIGO im ausland Berlin

„So war es auch. Still und schwarz.“

2007

Cancelled public debate

Video

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„Wir drehten mit polnischen Erntearbeitern im Seeland. Wir sassen in einem Gewächshaus aus Plastik und spielten mit ihnen eine kulturpolitische Diskussion über das neue Kunstmuseum Warschau nach, die davor in Warschau stattgefunden hatte. Ich kann mich überhaupt nicht mehr erinnern, wie ich mich damals fühlte, ich glaube, ich schaute dem allem von Anfang an staunend zu. Alles ging so perfekt auf, ich konnte es nicht fassen.“

„Es ist heiss. Vorne auf dem Podium polnische Landarbeiter, die die Jury spielen. Ihr Chef, der Gemüsebauer, spielt den Schweizer Stararchitekten. Gegen Ende des Drehs hält A-L dem Publikum – die ganze Zeit schwitzend – einen Dürer-Hasen und einen Salatkopf hin und fragt: What do you think? Is this modern art or not? Ich weiss nicht mehr, was sie dazu gebracht hat. Aber dieser leicht aggressive und koloniale Tonfall, die Hitze, die verunsicherten Gesichter der Arbeiter… Nach dem Dreh haben wir dann alle zusammen Würste gebraten und Bier getrunken.“

„In diesem Plastiktunnel herrschte eine saumässige Hitze, den Tomaten aber die hinter uns wuchsen behagte dies bestimmt. Für solche Projekte fragt man sich besser nicht, was die dafür angefragten Gemüsebauern im Seeland von einem halten – man verfolgt einfach beharrlich sein Ziel: möglichst viele polnische Erntehelfer zu finden, die mit uns zusammen in einem Gewächshaus an einer fingierten Pressekonferenz einen Text über ein umstrittenes geplantes Kunstprojekt in Polen zu verlesen.“

„Warschau fragt sich, ob ein Museum für moderne Kunst überhaupt nötig ist. Und bietet eine öffentliche Diskussion an, die sie später wieder absagt. Wir spielen mit polnischen Erntehelfern und Ihrem Chef die Debatte im Gemüsetunnel eines Seeländer Betriebs.“

„Anna-Lisa schwanger, in einem blumigen engen T-Shirt, so grün wie das Gemüse im Hintergrund: Jetzt habe ich eine kleine Frage. Ehm, die moderne Kunst… also… was bedeutet das für Sie? (Pause) Ehm, Sie können mir auf Deutsch oder Polnisch antworten. (Lachen) Verstehen Sie meine Frage? Art… Modern Art… (beugt sich ganz nah zu einem der polnischen Erntearbeiter) Bedeutet Ihnen das etwas… in ihrem Leben? (Der Arbeiter lächelt, stockt. Ein anderer versucht auf Polnisch zu helfen.)“

„Der polnische Arbeiter fragt: Polen? Zahlen? Ich? – Aha, gut… ehm erst die Frage mit der Kunst. Aha. Nur… was die Kunst bedeutet, für Sie. Der andere Arbeiter auf deutsch: Ja, aber in Polen wieviel Geld oder…? Albert: Ganz allgemein… Kunst… Ist Kunst wichtig für Ihr Leben? – Ah Mughbesc. Maximum, Optimum? Schweizer Franken, polnisches Geld? 2000! Anna-Lisa: Aha gut und jetzt Kunst. Was heisst ‚Kunst‘ auf polnisch, ehm, Sztuka? Ehm, podrzebna? Nein… ehm, Kunst? Auf Polnisch? Der Arbeiter: Co to jest ‚Kunst‘? Was ist ‚Kunst‘? Anna-Lisa lacht: Ehm, Picasso. Miro. Dürer. Kieslowski. Und zeigt ihm den Ausdruck des Dürerschen Hasen. Und so weiter.“

Konzept und Realisation: Schauplatz International

Gezeigt in: „virtual museum“ Warschau / Koproduktion mit: Laura Palmer Foundation, Warschau

„Dieser leicht aggressive und koloniale Tonfall, die Hitze, die verunsicherten Gesichter der Arbeiter ...“

2007

Stadt des Schweigens

Inselrevue

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„Über kein anderes Stück haben wir so viel gesprochen wie über Stadt des Schweigens. Davor, darin und danach. Schweigen erschien uns in der Stadt Zug auch wie Sprechen, wie Lüge und vielleicht versuchten wir dann, unsere eigenen Lügen mit dem Sprechen zum Schweigen zu bringen, ich weiss es nicht.“

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„Am Ende des Stücks: Ein Architekt beschreibt beim schwachen Licht einer Laterne ein fiktionales Zug. Alle Arbeiter des Rohstoffhandelsplatzes und die Minen sind direkt vor Ort. Wohnblocks, Plattformen, ausgehöhlter Hausberg. Davor im Verlaufe des Abends unter anderem der Versuch, die Tonnen an skandalträchtigem, zum Teil geheimem Dokumaterial über diesen Ort in eine theatrale Form zu bringen.“

„Ich war nicht auf der Bühne. Ich versuchte mein Stück zuhause zu spielen, mit mir und mit Menschen in Kasachstan, den USA, Niger, Griechenland, Kanada und Schottland. Es ging um ihr Leiden an den Auswirkungen der multinationalen Konzerne, die in Zug domiziliert sind. Und meinen Versuch diese Menschen in deren Realität zu erreichen. Wie diese 6 Videos auf der Bühne wirkten, kann ich nicht sagen…

…aber mein Sohn überraschte mich im superimprovisierten blueboxvideostudio in meinem Schlafzimmer, einen WOK auf meinem Kopf, sein Steckenpferd reitend und mich mit dem jungen Mann vom Peacecorp in der endlosen Tundra Kasachstans unterhaltend.“

Konzept und Realisation: Schauplatz International / Mit: Martin Bieri, Seraina Dür, Anna-Lisa Ellend, Walter Ellend, Albert Liebl, Lars Studer und Gäste / Musik: Matthias Wyder / Bühne: Chantal Hoefs / Grafik: Jiri Chmelik / Foto: Alexander Jaquemet / Technik: Kaspar Schärer / Produktionsleitung: Sven Heier

Gefördert durch: Stadt Bern, Kanton Bern, Stadt Biel, Kanton Zug, Pro Helvetia, Migros Kulturprozent, Burgergemeinde Bern, Landis&Gyr Kulturstiftung, Hamasil Stiftung, Ernst-Göhner-Stiftung / Gespielt in: Chollerhalle Zug, Tojo Bern, Fabriktheater Rote Fabrik Zürich, Stadttheater Solothurn, Stadttheater Biel

Pressestimmen zu Stadt des Schweigens

Pressematerial zu Stadt des Schweigens

„Ein Architekt beschreibt beim schwachen Licht einer Laterne ein fiktionales Zug.“

2006

Bekennervideo

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„Es ging wie von selbst. Kullernde Steine der Verwirrungen, lustiges Scheitern des eigenen Anspruchs, eine Lawine von Lächerlichkeiten, fast unbewusst erzeugt, und sie kommt nicht zum Stehen. Ein LOL-Ringen um den Schluss, um ein Aufhören. Kann ich mir immer wieder anschauen.“

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„Falsche Bärte, Sonnenbrillen, Mützen, eine Fahne, ein Tisch. Vermummte versuchen ein Bekennervideo zu drehen und scheitern an ihren eigenen Ansprüchen der völligen Transparenz. Total verbohrt, fixiert auf den Versuch absolut konsequent zu sein, sind sie schliesslich in einer irren Endlosschleife gefangen. Dass wir dann am Ende die Stoptaste doch noch gedrückt haben, ist natürlich nicht korrekt, aber trotzdem irgendwie notwendig.“

„Dass wir das durchgezogen haben, ganz ernst, ohne Tricks – das finde ich immernoch sehr lustig. Und die Bärte auch. Und der Hintergrund, im Bild.“

Konzept und Realisation: Schauplatz International / Mit: Albert Liebl, Lars Studer, Anna-Lisa Ellend und Martin Bieri

Gespielt in: Kino Reitschule Bern, Filmpodium Biel

Bekennervideo Pressematerial

„Eine Lawine von Lächerlichkeiten, fast unbewusst erzeugt, und sie kommt nicht zum Stehen.“

2006

Segeroth – Auf der Suche nach der verschwundenen Stadt

Eine Safari

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„Einmal schneite es. Ich glaube, es war Mai und es schneite. Ich trug Jeans, darüber eine Outdoorhose, sass in diesem Zelt und schlotterte. Ich musste einen Text tippen. Ging nur schlecht. Das Stück handelte von Archäologie. Das war immer einer meiner unerfüllten Berufswünsche und so nah wie in dieser Vorstellung kam ich ihm nie wieder.“

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„Ja, also schön war, dass wir eine Anfrage beim Verfassungsschutz stellen mussten wegen dem Verwenden einer Hakenkreuz-Fahne ausserhalb des Theaters. Und dass die Werkstätten darauf bestanden, die Fahne selber zu drucken, dabei eine Seite weiss liessen, und dazu den falschen Rotton erwischten, was zu neuen Möglichkeiten führte. Auch der Löschzug der Feuerwehr ist mir geblieben, ein ganzer LKW und 6 Feuerwehrleute, wegen unserem kleinen Lagerfeuer. Wir haben sie dann immer ein wenig zu früh aufs Feld gebeten. Die Feuerwehr dachte, die Zuschauer seien weg und fing ungewollt an, vor den Zuschauern das  Feuerchen profimässig zu löschen

Und der Schnee im Mai war auch schön.“

„Sah gut aus, der Strassenzug aus Dachlatten, gross wie eine riesige Skizze. Die Kirche ist immer umgefallen. Kalt war’s.“

Konzept und Realisation: Schauplatz International / Mit: Albert Liebl, Anna-Lisa Ellend, Martin Bieri, Lars Studer

Koproduktion mit: Schauspiel Essen / Gespielt in: ehemalige Brache am Berliner Platz

„Ich glaube, es war Mai und es schneite.“

2005

Atlas of Catastrophes – The Beauty of Disaster

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„Von all den Katastrophen, an die ich mich erinnern sollte und es nicht konnte, ist mir der Stadionbrand in Bradford noch am meisten in Erinnerung. Nicht real, aus der Inszenierung. Ich habe kein Bild dazu, keine Schlagzeile, nur den irgendwo im Dunkeln über dem Bühnenrand (kurz vor den Tribünen) hängenden Glauben: da war etwas.“

Konzept und Realisation: Schauplatz International / Mit: Martin Bieri, Seraina Dür, Anna-Lisa Ellend, Albert Liebl, Lars Studer, Juliane Werner / Musik: Matthias Wyder

Koproduktion mit: Hebbel am Ufer Theater Berlin, Schlachthaus Theater Bern, Fabriktheater Rote Fabrik Zürich / Gespielt in: HAU Berlin, Schlachthaus Theater Bern, Fabriktheater Rote Fabrik Zürich / Gefördert durch: Stadt und Kanton Bern, Migros Kulturprozent, Kanton Zug

„Ich habe kein Bild dazu, keine Schlagzeile, nur den irgendwo im Dunkeln über dem Bühnenrand hängenden Glauben: da war etwas.“

2005

Dem Berg entgegen…

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„Immer, wenn ich dem Thunersee entlang fahre – mit dem Auto auf der rechten, mit dem Zug auf der linken Seite – schaue ich, wo die Bunker stehen. Sie tarnen sich als Chalets, aber ich weiss, wo sie sind. Und immer wenn ich den Zielhang nach Innerwengen fahre, denke ich: runter komme ich, rauf ging’s nicht.“

„Mein Lieblingskreisel liegt beim Einkaufszentrum in Marin, NE. Da müsste mal ein ganzer Spielfilm gedreht werden, in diesem kleinen Pfahlbauerhüttchen. Ich mag aber auch den Pflug und das Boot mit den schönen ausgetrockneten Schilfpflanzen oder den Pflug vor der Coop Tankstelle in Gals. Auf jeden Fall zeigt unser Heidi diese und andere Schweizer Trouvaillen einem zum Glück verstorbenen Politiker, der hier besser nicht genannt wird, stets darauf hinweisend, dass das alles wieder sehr typisch ist.“

„Dieses „echt im flaschen Dekor spielen“ finde ich immernoch sehr lustig: Pfahlbäuerin auf dem mit Pfahlbauten gestalteten Verkehrskreisel, Imker vor dem falschen Bienenstock. Und das ganze im echten aber nun umgenutzten Palast der Republik.“

Konzept und Realisation: Schauplatz International / Gezeigt in: Palast der Republik Berlin

„Immer wenn ich dem Thunersee entlang fahre, schaue ich, wo die Bunker stehen.“

2005

King Kong an den blutigen Stränden der Zivilisation

Chateau Europe II

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„Ich kann Afrika nicht erreichen, von hier aus auch nicht sehen. Ich kann Europa nicht verstehen. Laufe am Strand an Spaniens Südküste und suche Schuhe und Kleider für die Gewissheit um tausendfach tragische Fluchten. Befinde mich im Zwiespalt, weil mich die Ströme der Flüchtenden doch etwas angehen sollten.“

„Eine meiner besten Reisen überhaupt. Im Auftrag der Münchner Kammerspiele und des schlechten Gewissens. Andalusien, der Cabo de Gata, Granada, das Hippie-Camp im ehemaligen Franco-Arbeitslager, die Ruinenstadt auf dem Windberg. Die Anarchisten. Die Westernkulissen. Die Wintersonne. Die Plantagen. Und weit und breit kein Flüchtling.“

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„Die grösste Diskussion entbrannte im Film an den echten gefundenen Kleidern von afrikanischen Flüchtlingen in den Büschen der Strände von Südspanien. Davor gerieten wir in eine Strassenschlacht zwischen Hippies und Einheimischen, filmten Lars im Bikini als blonde Venus vor dem Wasserfall badend, wohnten in einem Plastikbungalow, an dem frühmorgens das Kondenswasser die Plastikwände hinunterlief, verschanzten uns spätabends ängstlich vor den Schwarzen und hatten schlussendlich einiges an Filmmaterial beisammen, das dann zu einem Theaterabend verarbeitet wurde und in den Münchner Kammerspielen bei Tomatenhäppchen Premiere hatte. Dabei wollten wir vor allem eines: Sorglose Künstler thematisieren sich selbst, nicht die Misere anderer.“

„Diese Jagd nach echten Migranten, die in Spanien stranden, gleichbleibend mit unserer Jagd, dem Erfüllen unsrer Metapher: Wer ist King Kong? Wer die weisse Frau? In diesen Plastikbungalows eingepfercht mitten im wunderprächtigen Andalusien, umgeben von Surfern, Hippies und katholischen Prozessionen, über nasse Kleider von Flüchtlingen stolpernd, sich dann mitten in einer Strassenschlacht wiederfindend – das war schon was besonderes.“

Konzept und Realisation: Schauplatz International / Mit: Lars Studer, Albert Liebl, Anna-Lisa Ellend, Martin Bieri, Corina Schwingruber

Koproduktion mit: Kammerspiele München / Gespielt in: Kammerspiele München, Schlachthaus Theater Bern, Fabriktheater Zürich, Belluard Bollwerk International Freiburg

„Laufe am Strand an Spaniens Südküste und suche Schuhe und Kleider für die Gewissheit um tausendfach tragische Fluchten.“

2004

Free Keiko, The Orca. Der Wal, der Willy spielte.

Was ist echt, natürlich, frei.

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„Ahnungslose Akteure lassen sich auf das Abenteuer ein, einen Hollywoodfilm zu spielen. Alles was sie tun können ist: Die ihnen eingeflüsterten Sätze, Gesten und Handlungen sofort auszudrücken. Die Konstruktion ist für alle sichtbar und doch überraschen mich die Momente manipulativer Illusion. Selbst ich bin ganz nah am Wasser, wenn ich dem Jungen flüstere, er soll jetzt weinen und er versucht es. In der Wertediskussion im Anschluss werden die geladenen Spezialisten weiter manipuliert und finden sich mit ihren Aussagen bloss noch im illusionären Raum des Theaters wieder. Eine scharfe und unterhaltsame Frage an unsere Realität.“

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„Für einen Abend hatte ich einen Lateinlehrer ausgewählt, der den Indianer spielen sollte. Der Indianer in den Filmen Free Keiko 1–3, die die Grundlage für das Stück bildeten, wird als Bindeglied zwischen Natur und Kultur benutzt. Ich dachte mir, dass ein Lateinlehrer heute eine ähnliche Funktion hat. Es kam dann der Augenblick, in dem ich ihm einen englischen Satz ins Ohr flüsterte. Der Indianer starrte mich an. Ich wiederholte den Satz, er starrte mich wieder an und wiederholte dann den Satz phonetisch. Ich hatte einen Indianer gefunden, der kein Englisch sprach.“

„In der anschliessenden Diskussionsrunde, die noch Teil des Stückes war, diskutierten wir über Natur, Freiheit und Echtheit. Ich hatte einen rechtspopulistischen Exekutivpolitiker der Freiheitspartei eingeladen. Schon vor der Show hatte er mir beim Händeschütteln so was geflüstert wie: Das ist jetzt also dieser subventionierte Kulturbetrieb. Er sass dann im Publikum, einem eher linken bis studentischen Publikum, alle erkannten ihn und wunderten sich. Viele sprachen mit ihm und sagten ihm, dass seine Anwesenheit sie sehr erstaune, aber dass sie es toll fänden, dass er hier sei. Dann betrat er die Bühne und der Moderator fragte ihn, was für ihn Freiheit sei. Er antwortete: Freiheit ist für mich eine Lichtung in einem Wald, ein einsamer Baum darauf und ein kleiner Bach, der sich hindurch windet. Ich war gleichermassen berührt und geschockt.“

„Wie wir das Stück im MOMCA in Genf aufgebaut haben. Wie wir danach durch die Genfer Besetzungen gezogen sind: Als es die noch gab. Wie das alles Geschichte geworden ist, wir selbst und die Fragen, die wir mit diesem Stück verbunden haben: Was ist echt, natürlich, frei? Darin steckt so viel Zweifel und Verzweiflung. Aber wir sind nicht darauf reingefallen.“

Konzept und Realisation: Schauplatz International / Mit: Martin Bieri, Anna-Lisa Ellend, Albert Liebl, Lars Studer, Juliane Werner und Gästen / Musik: Matthias Wyder / Technik: Max Stelzl / Produktionsleitung: Schauplatz International, Mathias Bremgartner

Koproduktion mit: Podewil Berlin, Schlachthaus Theater Bern, Tuchlaube Theater Aarau / Gespielt in: Podewil Berlin, Schlachthaus Theater Bern, Centre d’Art Contemporain Genève, Belluard Bollwerk International Fribourg, Festival Gipfelstürmer Gessnerallee Zürich, Tuchlaube Theater Aarau / Gefördert durch: Kultur Stadt Bern, Amt für Kultur des Kantons Bern/Swisslos, Migros Kulturprozent, Burgergemeinde Bern

Pressestimmen zu Free Keiko

Free Keiko Pressematerial

„Er antwortete: Freiheit ist für mich eine Lichtung in einem Wald, ein einsamer Baum darauf und ein kleiner Bach, der sich hindurch windet.“

2002

Bunter Abend: Put up your Family

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„Ich stand hinter der Bar, eine Bar braucht es für einen bunten Abend. Irgendwann hatten sich alle Beteiligten, ausser ich, moralisch so entblättert, dass dem Publikum nur noch Alkohol half. Dann stand jeweils ein besonders mutiger Zuschauer auf, kam zu mir und sagte, manchmal stöhnend: Ich brauche etwas. Ich war froh, stand ich hinter der Bar und nicht auf der Bühne, war dort aber etwas nutzlos. Bis zu diesem Moment. Ich schenkte Schnaps aus, erst einem, dann allen. Der Abend nahm wieder Fahrt auf. Nach dem Familienstellen und dem gemeinsamen Singen, zeigten wir noch Dias. Für alle, die noch da waren, ein grosser Spass, der überhaupt kein Ende mehr nehmen wollte. Die Wende zum Guten aus meiner Sicht: Der erste Schnaps.“

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„Meine schönsten Erinnerungen sind folgende: Mit Familienstellen fing der bunte Abend an, es wurde herumgedeutet und ausgelegt, diverse Methoden angewendet – mit heiserer, monotoner Stimme erklärte etwa Ingenieur und Grossvater Walter einen möglichen Lösungsansatz anhand seiner Zeichnungen der Brammenzangen. Dazu sorgte unser Familienorchester für die musikalische Unterhaltung, und ich werde nie mehr die Blockflötensoli von unserem Familienmitglied Albert vergessen, mit nur zwei Tönen übertraf er in meinen Ohren alles, was ich bisher an improvisierter Jazzmusik gehört habe. I just loved it.“

„Eine Armenküche als Theaterort. Stehengeblieben wie eine alte Standuhr. Immer neue Geometrien der Beziehungen im Raum, und manche hofften schüchtern, geheilt werden zu können. Oder andere zu heilen, Familiendynastien wie die Bushs. Ein wunderbarer Vortrag unseres Musikers Mätthu zu den Beach Boys, Blasfamilien, Genrebeziehungen in der Popkultur, ich nähere mich der Slideguitar, der Abend will nicht enden, die Leute bleiben zusammen, auf der Kippe zwischen schmeichelnder Esoterik und scharfem Verstand. Aber auch meine erste Schuld auf Recherche: Auf einer Hellingertherapiesitzung werde ich ohne es zu wissen als heimlich gehegter Kinderwunsch der ‚Patientin‘ aufgestellt und weil ich über das Schmunzeln von Anna-Lisa, die mir zusieht, etwas aus der Fassung gerate, schreit die ganze Therapiegruppe: ER LACHT! Bin ich verantwortlich für ein fremdes Kind auf dieser Welt?“

Konzept und Realisation: Schauplatz International / Mit: Anna-Lisa Ellend, Albert Liebl, Martin Bieri, Lars Studer, Juliane Werner, Walter Ellend, Susi Wirth / Musik: Matthias Wyder

Koproduktion mit: Schlachthaus Theater Bern / Gespielt in: Schlachthaus Theater und Spysi Bern, Podewil Berlin, Fabriktheater Rote Fabrik Zürich

„Die Wende zum Guten aus meiner Sicht: Der erste Schnaps.“

Spieldaten

Nachbeben

Die Gotthardschweiz, Konzert Theater Bern, Kubus, 4.6.2016, 19:30

Kontrollierter Sinkflug

Radioplay, Radio SRF2 Kultur, autumn 2016

Egoisten

November 2016, Schlachthaus Bern

December 2016, Südpol Lucerne

February 2017, Kaserne Basel and Theater Chur

tba, Gessnerallee Zurich

“Not everyone can be an innovating genius,” Sibelius wrote in his diary. “As a personality and as an apparition from the woods you will have your small, modest place.”